Besuch bei der Bergbauernfamilie

Besuch bei der Bergbauernfamilie

Armin Zimmermann


Die sechsköpfige sympathische, bescheiden lebende Familie empfängt mich auf dem oberen Stufenbetrieb. Dies mit grosser Dankbarkeit für die grosszügige Unterstützung, die sie von der Wettinger Kirchgemeinde erhält. Obwohl weit abgelegen vom nächsten Zentrum, fühlt sich die Familie in dieser von Natur dominierten Bergwelt verwurzelt. Zwischen Eltern und Kindern besteht eine auffallend liebenswürdige Beziehung. Schule und Kindergarten besuchen die Kinder im Tal und haben bis zur Bergstation der Luftseilbahn jeweils einen einstündigen Fussmarsch zu bewältigen. Das aus dem Jahre 1860 stammende Wohnhaus musste den heutigen Bedürfnissen angepasst werden; vor allem aber wurde die Küche aufgrund des Bergdrucks in Mitleidenschaft gezogen, eine Sanierung war daher dringlich. Der Familie war es ein Anliegen, dass dabei der Charakter des Hauses bewahrt bleibt. Mit fast vollständiger Eigenleistung hat der Bergbauer eine Wohnküche erstellt, in der man sich wohlfühlt. So hat er beispielsweise die Zwischenräume der alten Holzbalken mit viel hellem Holz aus dem eigenen Wald bekleidet, wie man es auch bei Altbauten, die unter Heimatschutz stehen, kennt. Schon auf dem Hinweg zum Hof fallen mir die vielen Magerwiesen mit der Blumenvielfalt auf. Wie ich von der Familie erfahre, sind dreissig Prozent ihrer bewirtschafteten Flächen Magerwiesen. Mit grossem Erstaunen vernehme ich, dass der Bergbauer auch Wildheuer ist, einer der letzten zwei verbliebenen von ursprünglich sechzehn in diesem Gebiet ist. Im Juli wird das Gras im nahezu vertikal gelegenen zwei Hektaren grossen Steilhang (siehe Foto) geschnitten, wozu sich der Bergbauer mit Steigeisen und Seil sichert. Wenn Sonne und Wind das Gras getrocknet haben, kehrt er in die Plangge (steile Wiese) zurück, bindet das Heu zusammen und lässt es an einem langen Seil in die Tiefe sausen. Diese Arbeit erfordert Kraft, Geschicklichkeit und Bergerfahrung. Fürs Wildheuen spricht nicht nur der hohe Nährstoffgehalt des Heus im Vergleich zu dem aus Fettwiesen, sondern auch der Schutz vor Lawinen, denn auf gemähten Wiesen gerät der Schnee weniger schnell ins Rutschen. Mit  vielen positiven Eindrücken verlasse ich anfangs Nachmittag die sympathische Bauernfamilie und begebe mich auf eine Rundwanderung in dieser grossartigen Bergwelt.

Armin Zimmermann

Seit Anfang Jahr haben wir in den Pfarreien St. Anton und St. Sebastian Kollekten für diese Bergbauernfamilie aufgenommen. Den ursprünglich zugesagten Betrag von Fr. 9’000.– haben wir Dank Ihrer grosszügigen Gaben überschritten. Es ist der erfreuliche Betrag von Fr. 11’300.– zusammengekommen. Dafür danken wir Ihnen herzlich mit einem Vergelt’s Gott.