Als neue Menschen ins neue Jahr starten

Als neue Menschen ins neue Jahr starten

Neu. Neues Haus, neues Auto, neues Hemd, neuer Schrank, neues Bett, neuer Schmuck, neuer Teppich. Neues hat man gerne. Das Neue ist besser, schöner, attraktiver, bequemer, moderner, passt besser zu eigenen Bedürfnissen. Neues verleiht Sicherheit und Wohlbefinden. Neues wünscht sich man einfach.

Neues verheisst uns auch die Heilige Schrift. In der Offenbarung des Johannes, dem letzten Buch der grossen biblischen Sammlung, Kapitel 21, dem letzten Kapitel des Buches und letztem Kapitel der Bibel, in den Versen 4 bis 6 ist u.a. Folgendes zu lesen: «Ich (Johannes) sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen (…) seht die Wohnung Gottes unter den Menschen (…) seht, ich mache alles neu». Der Verfasser wünscht sich Erneuerungen, welche jegliches menschliches Vorstellungsvermögen sprengen. Denn es geht nicht nur um Menschenbedürfnisse, wie wir sie sonst hin und wieder formulieren. Diese können wir Menschen selbst zustanden bringen; sie stehen (doch) in Reichweite des Menschen. Die Heilige Schrift setzt hier eher auf eine Schöpfung, mit neuem Himmel, neuer Erde, wo das Leben der Menschen perfekt sein wird. Menschen dürfen ein Leben führen, das kein Negatives mehr kennt: Trauer, Streit, Hunger, Ärger, Krieg, Konflikt, Einsamkeit, Trübsal. Die Liste darf ruhig komplettiert werden: Keine Enttäuschung, keine Gewalt, keine Ausbeutung.

Und wenn wir uns ein neues Jahr wünschen würden, welches das oben geschilderte biblische Lebensbild widerspiegelt, wäre das Utopie oder Realismus, basislose Hoffnung oder realistischer Glaubensausdruck?

Eines liegt auf der Hand. Das neue Jahr 2022 wird per se anders sein als die vielen vergangenen Jahre in der langen Kette der Zeit. Man kann unendlich zurückblättern in die Menschengeschichte. Jahre vergehen, sie sind alle nicht gleich, sie gestalten sich immer anders.  Die Jahre sind etwas mehr als eine blosse Erscheinung in der Zeit: Sie sind zwar dem Wechsel der Zeit unterworfen, sie hinterlassen jedoch Spuren.

2022 dürfte anders sein als 2021, es darf im wahrsten Sinn des Wortes NEU sein. Utopisch ist es nicht, daran zu glauben. Ein neuer Himmel, eine neue Erde, ein neues Leben sind gemäss biblischer Wahrnehmung möglich, wenn Gott unter uns Menschen wohnt. Gott wird zum Nachbar des Menschen. Bei ihm darf der Mensch hin und wieder anklopfen, ihn mal zu einer Pizza einladen, mit ihm einen Kaffee trinken. Somit wird der Mensch neu. Neue Erde, neuer Mensch. Von der Coronapandemie haben wir u.a. gelernt, uns vermehrt mit der existentiellen Frage nach unserem Dasein in der Welt auseinanderzusetzen. Was ist der Mensch? Wozu sind wir hier auf Erden. Wir sind nicht die ersten, werden auch sicher nicht die letzten Lebenden hier auf dieser Erde sein. Die Menschengeschichte weist sowohl schöne als auch turbulente Zeiten auf. Zu den schlimmsten Erlebnissen zählen die ersten Pandemien und die schrecklichen kriegerischen Auseinandersetzungen. Gott sei Dank wurde dem Menschen immer wieder ein Neuanfang im Laufe der Zeit beschert.

So gesehen ist der Glaube an ein neues und besseres Jahr realistisch. Neues ist möglich. Als neue Menschen wollen wir ins neue Jahr starten. Als neuer Mensch bin ich dankbar jeden Tag für die Zeit, die mir gegeben ist. Als neuer Mensch lege ich den alten Menschen hinter mir ab, der nachtragend ist, dem nicht gelegen ist, Frieden zu schliessen und Versöhnung zu feiern. Als neuer Mensch weiss ich, dass die Weltgemeinschaft eigentlich zu einer Familie berufen ist… Die Solidarität unter allen Völkern, Nationen und Sprachen; eine Eigenschaft, die uns noch bewusster geworden ist in der gegenwärtigen Corona-Krise.

Ihnen allen ein gesegnetes Jahr 2022

Zacharie Wasuka, Leiter Seelsorgeeinheit Killwangen-Neuenhof-Spreitenbach (Beitrag aus dem Pastoralraum)