Botschaft der Schweizer Bischöfe und Territorialäbte zum Schweizer Tag der Kranken am 1. März 2026

Botschaft der Schweizer Bischöfe und Territorialäbte zum Schweizer Tag der Kranken am 1. März 2026

Selbstbestimmt und eingebunden


Seit 1943 gibt es den «Tag der Kranken» in der Schweiz. Er geht zurück auf die Initiative einer Lungenärztin, Marthe Nicati. Sie stellte fest, dass Kranke in ihrem Spital mit dem nahenden Frühling oft noch stärker unter Krankheit und Einsamkeit litten. Deshalb ist der «Schweizer Krankensonntag» jeweils im Frühling, am ersten Sonntag im März.

Geteiltes Leid ist halbes Leid. Krankheit und Leid sind erträglicher, wenn wir spüren: Ich bin nicht allein; ich werde nicht vergessen; ich bleibe eingebunden. Der barmherzige Samariter in der Bibel ist jener, der den Elenden sieht, zu ihm hingeht und ihm seine Zeit und Fürsorge schenkt. Weil er weiss, dass diese Fürsorge seine eigenen Kräfte übersteigt, bringt er den Verwundeten zu einer Herberge, gibt dem Wirt zwei Denare und trägt ihm auf: «Sorge für ihn, und wenn du mehr für ihn brauchst, werde ich es dir bezahlen, wenn ich wiederkomme.» (Lk 10,35).

«Selbstbestimmt und eingebunden» – unter diesem Motto steht der diesjährige Schweizer Tag der Kranken. Ein selbstbestimmtes Leben hat bei uns einen hohen Stellenwert. Krankheit und Behinderung schränken diese Selbstbestimmung ein. Man muss Hilfe und Pflege von anderen annehmen. Ich denke zum Beispiel an eine Frau aus meinem Umfeld, die ihre Long Covid-Erkrankung mit grosser Geduld aushält und ihr Ausgeliefert-Sein im Glauben trägt. Die konkrete Unterstützung durch ihre Familie und Freunde sowie die professionelle Hilfe sind für sie lebenswichtig. So ist sie eingebunden und kann – soweit es möglich ist – selbstbestimmt leben.

Am Tag der Kranken denken wir auch an alle, die in den Spitälern und Heimen und zu Hause andere pflegen und für sie sorgen. Ihre herausfordernde Arbeit ist aufgrund von Spardruck und Fachkräftemangel noch anspruchsvoller geworden. Dies zeigt auf eindrückliche und beklemmende Weise auch der Spielfilm «Heldin» über die Arbeit auf einer Onkologie-Station. Es ist zu hoffen, dass der grosse – auch internationale – Erfolg des Films nicht nur ein Kino-Ereignis bleibt. Was Menschen im Gesundheitswesen tagtäglich leisten, ist enorm und verdient mehr Wertschätzung. Die Rahmenbedingungen für diese Arbeit müssen verbessert werden.

Seit jeher gehört die Sorge für die Kranken zu den Kernaufgaben der Kirche. Das älteste Spital auf dem Gebiet der heutigen Schweiz gründete der erste Abt des Klosters St. Gallen, der heilige Otmar. Auch heute engagieren sich die Kirchen für kranke Menschen und für jene, die sie pflegen. Um diesen Einsatz noch besser zu koordinieren und in die gesundheitspolitischen Prozesse und Strukturen einzubringen, haben die römisch-katholische und die evangelisch-reformierte Kirche ein ökumenisches Kompetenzzentrum für Seelsorge im Gesundheitswesen gegründet. Es hat im letzten Jahr seine Arbeit aufgenommen.

In der Krankheit spüren wir besonders, wie sehr wir darauf angewiesen sind, dass andere uns nahe sind und «zum Nächsten werden» (vgl. Lk 10,36). Zu diesem barmherzigen Handeln stiftet Jesus an und bestärkt es – hoffentlich weit über den Tag der Kranken hinaus!

Für die Schweizer Bischöfe und Territorialäbte
Beat Grögli, Ressortverantwortlicher innerhalb der Schweizer Bischofskonferenz

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