Annakapelle

Ein Gotteshaus für die «Sondersiechen»

Aussenansicht Annakapelle BadenSeit dem 15. Jahrhundert stand ausserhalb der Stadt Baden unweit der Limmatbrücke ein Haus für die Sondersiechen, so nannte man damals die am Aussatz erkrankten Menschen. Auch andere von der Gesellschaft mehr oder weniger ausgeschlossene arme und kranke Menschen fanden an diesem Ort, der später auch als «äusseres Spital» bezeichnet wurde, eine Unterkunft. Für die Bewohner des Siechenhauses stiftete der Rat von Baden 1480 eine Kapelle. 1484 wurde sie der heiligen Anna geweiht, deren Verehrung damals einen Höhepunkt erreichte.
Das ehemalige Spital ist heute ein Altersheim. Daneben steht hinter einem mehrstöckigen Baukomplex an der stark befahrenen Wettingerstrasse unauffällig die Annakapelle. In ihr finden regelmässig Werktagsgottesdienste in deutscher oder italienischer Sprache statt.

Predigtraum und Lazarett

Das Kirchlein besitzt weder Turm noch Dachreiter. Die beiden Glocken hängen – für unsere Gegend ungewöhnlich – in einer zweiteiligen Rundbogenarkade im oberen Teil des Frontgiebels. Zur Zeit der Reformation benutzten die reformierten Tagsatzungsabgeordneten aus Zürich und Bern (Baden war damals eidgenössischer Tagsatzungsort) die Kapelle vorübergehend als Predigtlokal. Während des Franzoseneinfalls 1798 diente die Kapelle als Lazarett.
Das Innere war stets Veränderungen unterworfen. Von den spätgotischen Fresken ist lediglich noch ein undeutliches Bild vorhanden, und vom Altar aus der Mitte des 17. Jahrhunderts ist das Hauptblatt mit der Darstellung der heiligen Anna (an der Kapellenwand) noch erhalten. Die Kapellenpatronin ist zudem als barocke Statue im Chor präsent, zusammen mit einem Vesperbild aus dem 16. Jahrhundert.

(Quelle: «Kapellen im Aargau, 125 ausgewählte Orte der Einkehr und des Staunens», ISBN 978-3-033-04540-8)

 

Öffnungszeiten

Die Kapelle ist geschlossen. Es finden jedoch regelmässig Werktagsgottesdienste statt.

Lageplan

5400 Baden, Wettingerstrasse 13 (bei der Abzweigung Schartenstrasse). Vom Bahnhof durch die Altstadt hinunter zur Holzbrücke. Die Kapelle steht südöstlich des Landvogteischlosses oberhalb der Verzweigung Wettingerstrasse-Schartenstrasse.